Wer glaubt, dass mediale Projekte im Unterricht nur noch durch aufwendige Filme mit Green-Screen, CGI-Effekten und co. auf die Schülerinnen und Schüler motivierend wirken können, hat noch nicht das Hörspiel in Erwägung gezogen. Wichtig – wie so oft – ist die begeisternde Präsentation des Unterrichtsvorhabens.

Nein, keine Sorge, ein Hörspiel produzieren ist auch für medial eingerostete Lehrerinnen und Lehrer überhaupt kein Problem. Bei der Herstellung eines Hörspiels gibt es verschiedene Möglichkeiten, die den medienfremden und medienaffinen Lehrkräften entgegenkommen mag.

Schritt 1: Die Präsentation des Unterrichtsvorhabens

Ja, es ist wahr: In einer medialen Welt, in der jede Schülerin und jeder Schüler twittert, posted oder sogar schon eigene Let’s play-Videos oder Podcasts produziert, mag es ggf. schwer fallen, als Lehrkraft, die sich mit dem ganzen wirren Internetleben nicht auseinandergesetzt hat, glaubwürdig für die Hörspielproduktion zu motivieren. Für mich war es wichtig, die Schülerinnen und Schüler die packende und spannende Wirkung eines Hörspiels näher zu bringen, bevor das Projekt überhaupt vorgestellt wurde. Von daher bediente ich mich am in Youtube verfügbaren Klassiker: „Krieg der Welten“. Ich schnitt das ca einstündige Hörspiel auf kompakte spannende 5 Minuten runter (man könnte auch zu einzelnen Stellen vorspulen) und fragte meine Schülerinnen und Schüler am nächsten morgen mit verunsichertem Gesicht: „Habt ihr das gestern auch im Radio gehört? … Auch wenn wir jetzt Deutsch haben, so ist es mir doch wichtig, dass wir über die gestrigen Ereignisse sprechen! Damit jeder weiß, worum es geht, habe ich den Radiobeitrag auf CD dabei.“ Ein bisschen schauspielerisches Geschick und auf die Lippe beißen (um nicht zu grinsen) kann hierbei hilfreich sein eine gewisse Grundstimmung zu schaffen. Während das Hörspiel abgespielt wird, sollten die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler beobachtet werden. Gewiss machen sie es mehr als deutlich, dass sie kein Wort glauben, jedoch lässt sich eine gespannte Grundhaltung beim Zuhören erkennen. Achtung: Ich habe das mit einer Klasse 8 gemacht. Für eine Eingangsstufe könnte die Situation überfordernd sein. Nach einer kurzen Meinungsumfrage nach dem Hörspiel folgt die Auflösung, die Erwähnung, dass dieses Hörspiel in Amerika einst für besorgte Anrufe bei der Polizei sorgte und der Vorstellung des Unterrichtsvorhabens.

Die folgenden Schritte basieren auf dem Werk „Eigene Hörspiele schreiben und produzieren: Von der Idee zur CD: eine praktische Anleitung (5. bis 10. Klasse)“ von Ute Baader (Amazon-Link: http://kurzlink.de/Qpv1cbmbo) Hier findet man – neben einem sinnvollen Vorgehen – sehr gute Arbeitsblätter, die als Grundlage genutzt werden können und durch eigenerstellte, differenzierende Arbeitsblätter ergänzt werden können.

Schritt 2 Entwicklung von Kriterien für ein gelungenes Hörspiel und eine gelungene Arbeit im Klassenverband

Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern werden Kriterien entwickelt, um auch ein qualitativ hochwertiges Hörspiel zu erreichen und damit gleichzeitig transparent zu machen, was auf die Schülerinnen und Schüler zukommt.

Schritt 3 Freies Schreiben

Mehr als Papier und Stift wird in dieser Phase nicht benötigt. Ohne Vorgaben (höchstens nach gemeinsamer Erarbeitung unterschiedlicher Genres) wird den Schülerinnen und Schülern Raum für die Entwicklung einer Geschichte gegeben, die als Basis und Grundidee für die weitere Hörspielarbeit genutzt werden soll. Die Schülerinnen und Schüler stimmen demokratisch darüber ab, welche Geschichte genutzt werden soll.

Schritt 4 Erste Vertiefung

Die Grundidee wird genutzt, um Figuren zu entwickeln und grundlegende Handlungsverläufe festzulegen.

Schritt 5 Ein Plot entsteht

Die Schülerinnen und Schüler wählen Figuren und Handlungsverläufe, die für die Geschichte genutzt werden sollen und legen einzelne Szenen fest. Die Szenen beinhalten: teilnehmende Figuren, Atmosphäre / Geräusche und Handlungsverläufe. Auf diese Weise entsteht ein Plot.

Schritt 6 Geräusche-Werkstatt

Die Schülerinnen und Schüler nutzen Diktiergeräte zur Erstellung von benötigten Geräuschen. Dies lässt sich am besten in Gruppenarbeiten verwirklichen. Professionelle Diktiergeräte sind teuer, jedoch bin ich bei meiner Vorbereitung auf ein großartiges Gerät gestoßen, was ich direkt 3 mal kaufte: http://kurzlink.de/xm2QBffbP Dieses Diktiergerät in USB-Form kostet nur sehr wenig, bietet eine gute Qualität und ganze 4GB für Aufnahmen. Die einfache Bedienung ermöglichte meinen Schülerinnen und Schülern eine sofortige Nutzung. Auch die anschließende Einspeisung in den PC funktioniert problemlos: Einstecken, Datei doppelklicken, anhören!

Schritt 7 Das Skript

Der Plot wird genutzt um nun das Skript zu erstellen. Dazu schreiben die Schülerinnen und Schüler die direkte Rede der Figuren nieder oder nutzen die Diktiergeräte für Improvisationstheater einzelner Szenen, welches anschließend angehört und schriftlich verfeinert wird.

Schritt 8 Die Produktion

Hier gibt es zwei mögliche Vorgehen. Wenn man sich mit Audiobearbeitungssoftware auskennt und auch die notwendige Hardware kann für die Schülerinnen und Schüler die Aufnahme sehr erleichtert werden. Man kann kurze einzelne Teile aufnehmen, die anschließend mit den Geräuschen zusammen in Audiobearbeitungsprogramm (z.B. kostenlos: Audacity, oder der lizenzpflichtigen Software Magix Music Maker) abgemischt werden. Das erspart der Schülerschaft Frust bei Versprechern oder ähnlichen Missgeschicken. Hierzu folgt in Kürze auch ein genaueres Tutorial.
Eine andere Möglichkeit ist die Live-Aufnahme, die technisch kaum etwas abverlangt, jedoch sehr viel schwieriger in der Umsetzung ist. Mittels Diktiergerät werden Schülerinnen und Schüler wie im Theater live sprechen, während andere das Timing einhalten müssen und die Geräusche live produzieren. Dieses letztere Vorgehen kann für schlechte Stimmung sorgen, da alle gemeinsam diszipliniert und konzentriert von der ersten bis zur letzten Minute arbeiten müssen, wobei doch gerade die Aufnahmen oft spaßige Stellen bieten, die später als „Outtakes“ genutzt werden können. Von daher ist auch meine Empfehlung sich Tutorials zur Audiobearbeitung anzuschauen und möchte Mut machen: Es ist gar nicht so schwer, erfordert halt nur etwas mehr Zeit.

Schritt 9 Die Veröffentlichung

Damit die Wertschätzung des Werkes der Schülerinnen und Schüler deutlich gemacht wird erfolgt eine Veröffentlichung. Erst erhält jede Schülerin und jeder Schüler eine CD mit dem Hörspiel, was sich auch im Klassenraum gemeinsam angehört und zelebriert wird. Anschließend bietet das World Wide Web genug Anlaufstellen zur weltweiten Veröffentlichung.

Das von meiner Klasse 8b gemachte Hörspiel findet man in Youtube und somit auch hier:

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